Nordkapp - Wir sind gestartet
Eigentlich sollte es letzte Woche Dienstag losgehen. Aber irgendwas kam immer dazwischen: mal die Arbeit hier, dann die Orga und Planung der Reise dort, dann nochmal Arbeit - und irgendwie schob ich die Abreise vor mich her.
Nun aber habe ich meinen Allerwertesten hochgekriegt und mich zusammengerissen. Endlich los! Gründe des Herauszögerns gab es reichlich, aber ich wollte mit freiem Kopf & gutem Gewissen los. Statt um 9 Uhr bin ich gegen 11:30 Uhr losgestartet. Mein lieber Nestor hat mir seit gestern zu allem Überfluss Sorgen bereitet. Nix fressen und so. Aber heute nachmittag scheint er sich gefangen und seine Magen-Darm-Probleme überwunden zu haben. Endlich hat er gefuttert und ist wieder guter Dinge.
Am frühen Nachmittag machen wir Pause in Kandel in der Pfalz und kehren in der Pizzeria bei Salvatore ein. Kann ich nur empfehlen. Eine echt italienische Pizza mit etwa einem halben Meter Durchmesser, dünnem Boden und wunderbar belegt. Nicht übertrieben. Dazu ein frischer knackiger Salat. Wirklich lecker. Werde mal wieder dort Pause machen! Lohnenswert.
Dann geht's weiter. Bei Frankfurt 40 Minuten Stau, vielmehr sehr zähfließend. Und das alles nur wegen zu vielen Fahrzeugen: keine Baustelle, kein liegengebliebenes Fahrzeug, kein Unfall - nix. Unfassbar.

Dann aber rollte der Verkehr und ich bin abends da angekommen, wo ich mittlerweile öfter Pause mache, wenn es in den Norden geht. Burg Herzberg. Ich stehe ich alleine. Die Burgschenke hat zwar zu, aber ich bin ohnehin gut versorgt. Hundi geht<# nochmal besser und wir drehen eine schöne Runde durch einen klitzekleinen Teil des Knüllwaldes. Anschiließend baue ich mein noch neues und dementsprechend ungewohntes "Setup" auf und Nestor wird im Heckzelt nächtigen. Ein Beweisvideo wird beigefügt. Heute sind wir 418 Km gefahren.
Ob ich morgen über Flensburg nach Dänemark fahre oder Fehmarn und Fähre von Puttgarden nach Schweden übersetze, weiß ich noch nicht. Mal schauen.
Jetzt ist es wunderschön ruhig. Fledermäuse und andere Flugobjekte geben sich hier gerad' ein Stelldichein und ich werde gleich den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und wunderbar nächtigen. Gute Nacht.
17. und 18. Juni


Wir kommen zeitig los und machen mittlerweile unsere fast übliche Paus in Hildesheim. Dort gibt es in der Südklause einen halben Hahn und Pommes mit alkoholfreiem Weizen. Natürlich zu überteuertem Preis. Dann geht‘s wieder auf die Bahn und Stunden später kommen wir bei Caraus auf einen Biobauernhof an, statt Campungplatz. Das Ehepaar betreibt den Hof mit großem Engagement. Die nette Frau erklärt mir den Hof und alles, was man wissen sollte, wenn man einige Tage dort verweilen möchte. Wir jedoch bleiben nur eine Nacht. Der Besuch des Biohofs ist allemal eine Reise wert, vor allem, wenn man mit Kindern reist. Man zahlt 25 € pro Mobil bzw. Familie. Für mich als Alleinreisender (mit Hund) schon recht viel, zumal es nur eine Trenntoilette im schmucken Häuschen für alle Gäste gibt. Und duschen bei Bedarf muss man anmelden. Dennoch ist dieser Hof sehens- und besuchswert. Und diverse Bioprodukte kann man dort auch erwerben. Dies funktioniert per Selbstbedienung und auf Vetrauensbasis. Am Folgetag sagt man bei der Abreise, was man sich genommen hat und kann alles auch einfach überweisen. Wie auch immer, eine tolle Erfahrung.
Am 17. Juni sind wir 476 Km gefahren.
Gäste waren auch aus Sachsen dort. Mit 50er Mopeds aus den 50ern und 60ern. Sechs ulkige Kerle mittleren Alters mit Zelt, Sack & Pack von Zschopau nach Fehmarn. Sie waren schon fünf Tage unterwegs und so wie es aussah, hatten sie mächtig Spaß mit der Tour.
Wir kommen um 12 Uhr los, haben uns mit allem Zeit gelassen. In Oldenburg in Holstein fahre ich in die Stadtmitte, um (beim Italiener) einzukehren. Dann geht's die restlichen 36 Km nach Puttgarden. Unterwegs hatte ich nochmal gehalten, um die Fähre online zu bezahlen. Im Hafen direkt wäre es weitere 15 € teurer geworden am Kassenhäuschen. Der Preis von 135 € für die schlappen 45 Minuten ist ohnehin schon reichlich dreist.
Um 16 Uhr sind wir jedenfalls im sonnigen Dänemark und um 17 Uhr bereits auf unserem Wahl-CP. Ein wunderschöner Platz, ruhig und großzügig, viel Platz frei, aber auch schon einiges los: sehr erholsam! Wir sind heute nur 187 Km gefahren. Auch mal schön. Wir stehen direkt am Waldrand (großer Mischwald). Prima für Hundi und Schatten. Dahinter dann schon die Ostsee. Ich lasse den Wagen einfach stehen und wir gehen gute 4 Km und Nestor freut sich über das Baden in der baltischen See. Wieder zurück, gibt es ein Kaltgetränk und Hundi wird mit Fressen versorgt. Derweil baue ich am MiniCamper rum für ein gemütliches Nachtquartier, dann mache ich mir eine gute Suppe und stelle weit nach Eibruch der Dunkelheit fest, dass diese gar nicht wirklich dunkel ist. Eine halbe Stunde vor Mitternacht ist es jedenfalls noch erstaunlich hell.
19. Juni
Nestor hat mich schon um 6 Uhr rausgefiebt. Er hörte sich sehr dringlich an. Also raus aus den Federn und rein in den Wald. Und was war? Nix! Jedenfalls hatte er kein dringendes Rausgehbedürfnis. Er hatte schlicht Kohldampf und wollte fressen. Also gab ich ihm Futter und mir noch eine Mütze Schlaf. Noch fast drei Stunden konnte ich weiterschlafen. Unfassbar! Aber auch unfassbar selten.

Wir gehen an die Ostsee und Nestor geht schwimmen. Danach schlendern wir zum beschaulichen Hafen. Dort gibt es eine kleine Lokalität, wo ich ein Fischbrötchen im Stil eines Hamburgers bekomme mit Pommes satt. Frisch und lecker!
Nun am Nachmittag hängen wir auf dem Campingplatz ab. Einfach schön. Im Schatten unseres MiniCampers. Ansonsten Sonne satt. Und ein warmer mittelkräftiger Sommerwind. Gut, dass der da ist.
Morgen fahren wir nach Lund, Südschweden. ca. 180 Km von hier. Dort habe ich eine Verabredung. Dann sehen wir mal weiter. Allerdings ist es hier so schön, hier würde ich sonst noch den ein oder anderen Tag länger bleiben.
Samstag, 20. Juni
Wir kommen gegen zehn Uhr vom Campingplatz in Guldborg los, den wir bestens empfehlen können Ich flitze noch für Kaffee und Salat in den ortsansässigen Supermarkt und dann sind wir auch schon wieder auf der Piste. Wir fahren nicht lange, da machen wir schon eine Pause auf einem Rastplatz, der seinen Namen wirklich verdient. Dazu müssen wir nur kurz die Autobahn verlassen und sind dann direkt am Wasser. Eine knappe Stunde später sind wir an der tierisch langen Œresundbrücke, die wir überqueren. Als wir drüben ankommen, müssen wir erstmal die Maut von 69 € zahlen. Gut, dass ich nicht so einen überdimensionierten Plastikbomber-Camper hab', denke ich. Was für so einen wohl berappt werden muss 🤔 ? Wenige Meter später dann der Einreisecheck, denn wir sind ja nun in Schweden. Lustig daran ist, dass nicht ich meinen Pass vorzeigen muss, sondern mein guter Nestor. Der Grenzer wollte sehen, ob ein lückenloses Impfbuch vorhanden ist. Und das sieht aus wie ein Reisepass.
Bei über 30° stechender Hitze treffen wir in Lund, unweit von Malmö, ein. Dort platzieren wir uns auf dem überteuerten minikleinen Campingplatz, an an das örtliche große Schwimmbad angegliedert ist. Der Platz hat eher Stellplatzcharakter, ist für meine Belange aber ok, weil ich heute im Städtchen Lund eine Verabredung habe. Ich treffe meinen Bruder für eine kleine Sight-Seeing-Tour und er ist der Fremdenführer. Es ist auffallend leer in der sehr hübschen Stadt. Grund ist Mitsommer, der dieses Wochenende (in ganz Schweden) gefeiert wird. Mir wird erklärt, dass diese Feier ein langes schwedisches Brauchtum hat und einen vergleichbaren Stellenwert wie Weihnachten mit dem Unterschied, dass an sich an Mitsommer überwiegend mit Freunden getroffen und gefeiert wird; meist draußen im Grünen. Weihnachten ist dann mehr mit Familie.
Nach einem schönen Essen in einer netten Gastronomie verabschieden wir uns und ich bin froh, dass zumindest die Nacht etwas frischer wird und Hund & Herrchen gut schlafen können.
Sonntag, 21. Juni

Bevor es zu warm wird, kommen wir aus Lund los. Stunden und zwei Pausen später kommen wir in Värnamo an, wo wir uns auf dem gleichnamigen Campingplatz niederlassen. Der Platz liegt im Wald an einem Fluss und einem kleinen See, wo viele am kleinen Badestrand das Sommerwetter genießen. Der Chef des Platzes spricht hervorragend deutsch und er meint, dass viele Ältere hier deutsch sprechen. Na ja, was heißt "alt": so alt scheint der sportliche Typ nicht zu sein - und jünger als ich ist er allemal. Der Platz ist eigentlich viel zu schön, um nur eine Nacht zu bleiben. Aber wir haben ja noch viel vor. Als ich auf Nachfrage sage, dass ich beabsichtige, das Nordkapp anzufahren, sagte er, dass das recht ambitioniert sei; immerhin seien noch weit mehr als 2000 Km zurückzulegen und je nördlicher man kommt, desto instabiler das Wetter. Naja, denke ich. Das sind ja richtig ermunternde Worte. Bis es jedoch soweit ist, machen Nestor und ich eine Ortserkundung, besuchen den Supermarkt und Hundi geht zur Abkühlung im Fluss schwimmen. Abends machen wir noch einen einstündigen Spaziergang um den kleinen See. Wunderschön!
Montag, 22. Juni
Wir haben beste Temperaturen, maximal 24°. Wir sind längst losgekommen und machen mittags in der Nähe einer alten Grabkammer aus dem 13. Jahrhundert eine erholsame Mittagspause. Nach dem Futtern geht's in die Grabkammer und die Kirche, die längst nicht so alt ist, besichtige ich. Nestor wartet draußen geduldig.

Wenige hundert Km weiter errichten wir unser Camp auf dem Campingplatz bei Sjötorp, direkt am riesigen See Vänern. Das Wetter sommerlich, die Atmosphäre zen - einfach wunderbar ruhig. Der Platz wird von zwei deutschen Frauen betrieben, die vor einigen Jahren nach Schweden ausgewandert sind. Hier muss man Leistungen mitbezahlen, die ich zumindest nicht brauche, nämlich Strom, der oft mit umgerechnet 8 € zusätzlich zu Buche schlägt. Aber das soll bei der weiteren Reise nur noch ein weiteres Mal vorkommen.
Wat willste machen 🤷♂️
Dienstag, 23. Juni
Weiter Richtung Norden. Unser Tagesziel ist Mora bzw. die Region um Mora. Bevor wir dort anlanden, machen wir Rast und fahren von der Hauptstraße und folgen dem Messer&Gabel-Schild, einem unmissverständlichen Symbol für Essen & Gastronomie. Nun ist es so, dass es in Schweden nicht durchgängig Autobahnen gibt, wie zB. in Deutschland. Vielmehr sind dies Fernverkehrsstraßen, die im Wechsel mal einspurig, mal zweispurig sind. Nur manchmal sind diese zweispurig pro Fahrtrichtung. Urig dadran ist, dass es tatsächlich Busstops gibt. Direkt auf der Autobahn. Dann geht nämlich eine dritte Fahrspur parallel rechts entlang der rechten Fahrspur. Da darf nur ein Bus fahren und stoppen. Mir ist schleierhaft, wie da die Leute herkommen, die dann zusteigen sollen. Vielleicht steigen auch nur Leute aus, Pendler / Mitfahrgemeinschaften zB. Wer weiß. Demzufolge jedenfalls gibt es an den meisten Abschnitten solcher Fernstraßen keine typischen Autobahn-Rasthöfe.
So fahre ich also von der Fernstraße ab und folge dem Messer&Gabel-Schild. Der Weg führt mich unweit der Straße direkt ins Grüne und ich lande an ein sehr freundlich wirkendes Gasthaus. Man geht rein, bestellt ein "Lunch", das ist ein festes Tagesgericht und zahlt bei Bestellung zwischen 145 und 195 Kronen. Das entspricht etwa 16 bis 19,50€. Dafür bekommt man Salat, das Tagesgericht und soviel Kaffee, wie man möchte. Meist ist dann auch noch ein kleiner Nachtisch (Kekse, Kuchen) dabei. Alles sehr nett und hat so gar nichts mit der Gastronomie zu tun, wie man es in D an Autobahnraststätten kennt. Lecker und viel persönlicher.
Derart gestärkt & entspannt geht unsere Reise weiter und kommen einige Stunden später in der Region Venjan an. Hier sollte die erste Mückenattacke abends und vor allem am nächsten Morgen besonders heftig ausfallen.
Der C-Platz ist natürlich im Grünen und liegt an einem riesigen wie schönen See. Obwohl noch südlich gelegen laut Karte, sind wir dem Südschweden eigentlich schon entschwunden. Vielleicht zählt es zum südlichsten Punkt Mittelschwedens, denn Schweden zieht sich sehr in die Länge. Von Nord- nach Südschweden sind es über 2000 Km.
Den Platz betreibt ein Holländer und spricht fünf Sprachen. Ziemlich cool. Es war wenig los und ich konnte uns irgend ein Plätzchen aussuchen. Eigentlich war nix los. Erstmal alles platziert und ausgebaut. Dann ein gut einstündiger Spaziergang durch den Wald über Bäche und Brücken. Dann erstmal schwimmen im großen See. Ein Paradies für Nestor.
Die Mücken fingen schon zahlreich zu stressen an. Ich verzog mich dann schon relativ früh gegen 21:00 Uhr in die Koje. Für Nestor war das ok, denn er schläft ohnehin draußen und hatte am Nachmittag und Abend ganz gut Auslauf bekommen.
Mittwoch, 24. Juni
Die Nacht war für mich ebenfalls recht gut entgegen meiner Befürchtungen. Allerdings war ich schon reichlich zerstochen. Morgens habe ich den Hund versorgt und bin dann unter die Dusche gehüpft und freute mich schon auf den Morgenkaffee. Den kochte ich mir zwar, aber die Mückenattacken waren unablässig und hörten nicht auf. Ich kam gar nicht zum Frühstücken. An einen zweiten Kaffee war gar nicht mehr zu denken. Um genau 8:05 Uhr fuhr ich los. Alles bereits zusammengepackt, um nur schlappe drei Km später an einem sehr schönen Ort mitten im Wald zu stehen, wo auch einige Holzhütten standen, wahrscheinlich mietbar bei der örtlichen Kommune. Der See war einige hundert Meter die Waldstraße runter, wo auch ein kleines Dorf war. Da bin ich aber nicht hin, denn wo wir jetzt waren, war es, oh wunder, nahezu mückenfrei und ich konnte in Ruhe frühstücken und einen weiteren Kaffee trinken.
So habe ich mir eine Apotheke in der nächsten Stadt schon mal mit meinem Schlaufon gesucht, um dann gemütlich nach Mora zu fahren. Eine wirklich schöne Stadt. Sehenswert!
Die Apotheke fand ich schnell, die Apothekerin empfahl ein Spray und einen Stift. Habe beides genommen und es sollte sich im Laufe der folgenden Wochen als optimaler Schutz gegen künftige Attacken der Stechbiester erweisen. Ich habe -ohne Übertreibung - mehrere hundert (!) Mückestiche bekommen. Vor allem auf dem Kopf, Gesicht, Unterarme, Handrücken und Waden. Trotz des Schutzes fingen die "alten" Stiche alle paar Stunden immer wieder an, einen heftigen Juckreiz auszuüben. Das hat sich über weitere volle zwei Wochen hingezogen. Das war heftig!
In Mora nahm ich noch ein kleines zweites Frühstück in einem Kaffeehaus ein und verweilte in der Stadt noch ein gutes Stündchen, bevor wir weiterfuhren durch endlose Walgebiete, um am Ende des Tages in der Kommune Nijurunda zu landen. Wir fanden einen Stellplatz, angelegt vom Verein fröhlicher Camper, wo vielleicht acht Wohnmobile hinpassen. Es gibt eine Toilette, ein WC und eine Infotafel mit einem Briefkasten, wo man pro Fahrzeug 150 Kronen oder 10 € pro Übernachtung in einem Umschlag dort einwirft. Die sanitäre Anlage ist topmodern und sauber wie in einem neuen Hotel. Zudem gibt es Frischwasser und Entsorgung der Chemietoilette. Alles "wie selbstverständlich". Über soviel tolle Leistung konnte ich nur stauen und habe mich sehr gefreut. Ursprünglich bin ich einem Hinweis gefolgt, wo man direkt am Wasser in einer Badebucht mit seinem Camper stehen kann. Ich hielt die Ausschilderung für einen Campingplatz. Aber es war ein freies und kostenloses Stellplatzangebot der Kommune. Dort standen schon die üblichen Verdächtigen mit ihren fetten dicken Plastikbomber-Campern in Rei' und Glied und dicht an dicht und pasten wegen ihrer Größe kaum da drauf. Nur zwei Bullis waren da. Als ich das sah, ist mir die Lust vergangen, mich da hinzustellen. Platz war eh keiner mehr frei. So kam ich an den Stellplatz, der keine 12 Km davon entfernt liegt und mir eine ruhige stressfreie Nacht beschert hat.
Donnerstag, 25. Juni
Allerdings hatte ich nicht mehr die Rechnung mit den Stechviechern gemacht. Ich war im Gesicht arg zerstochen und meine Augen waren zugeschwollen. Bei der Morgenrunde mit Nestor konnte ich kaum aus den Augen gucken. Da fürchtete ich schon, heute kein Auto fahren zu können. Mein Sichtfeld war irrsinnig stark beeinträchtigt. Aber Gott lob besserte sich dies zumindest in den kommenden Stunden.
Dafür stieg beim Zusammenräumen eine stark alkoholisierte Frau aus dem Camper. Meine "Nachbarin". Es war vielleicht 8 Uhr und sie sprach mich an und klagte mir ihr Leid mit ihrem Mann (eigentlich ihr Freund seit 18 Monaten, wie sich später herausstellte). Sie war todunglücklich, dass er nicht mit ihr in einem Bett schlafen wollte. So klagte sie mir ihr Leid und kaute mir ein Ohr ab. Ich räumte weiterhin meine Sachen zusammen (alles in allem dauert das Zusammenraffen aller Campingdinge bei meinem Setup ca. 40 Minuten. Leider zog es sich bei dem Gequatsche mit "meiner Nachbarin". Zum Glück kam irgendwann ihr Freund dazu und versuchte, sie dazu zu bewegen, einzusteigen, damit sie losfahren konnten. Er strahlte absolute Ruhe aus und wirkte ganz gelassen. Irgendwann konnte er sie überzeugen und sie fuhren von dannen.
Tja, Sachen gibt's ...
Wir fuhren jedenfalls weiter und kehrten gegen Mittag wieder in so einer tollen Lokalität neben der Fernverkrehsstraße ein. Es gab wieder ein Lunch zur Stärkung. Dann zogen wir weiter und haben einen der besten Stellplätze im Wald vorgefunden auf einer riesengroßen Wiese. Dazu Abwaschmöglichkeit und Toilette. Auch wieder alles topmodern und topsauber 👍. Der Platz bietet Platz für viele, aber es waren nur vier Häßlich-Plastikbomber-Camper dort, als ich ankam. Also ziemlich leer, was ich ja nur gut finde. Später verirrten sich zwei weitere Plastikbomber-Camper dazu.
Ich für meinen Teil habe erstmal einen würdigen Spaziergang mit dem guten Nestor unternommen, wo er auch wunderbar schwimmen konnte. Danach habe ich erstmal gekocht und einen guten Wein dazu getrunken (selbst mitgebracht aus F). Hundi wurde natürlich auch bestens versorgt und wir waren sehr zufrieden.
Was ich nicht verstanden habe und vermutlich nie verstehen werde. Von den Riesen-Campern ist bei vier Fahrzeugen niemand ausgestiegen. Auch am nächsten Morgen nicht. Die sind tatsächlich dort angekommen, haben ihre Kisten nicht verlassen und sind genauso am Folgetag weitergefahren.
Warum macht man das? Ist das Camping? Waren das Vampire 🤔 ? Wird man so, wenn man auf große Reise geht mit einem riesengroßen Wohnmobil, wo man seinen gesamten Hausstand mitnimmt? Fragen über Fragen...
Freitag, 26. Juni
Der Himmel blau. Langsam setzen sich einige der wenigen überdimensionierten Camper in Bewegung und verlassen wort- und grußlos die schöne Stille in dieser herrlichen Natur. Ich bin fast alleine und lasse mir mit allem Zeit. Frühstück, Spaziergang, zusammenpacken, noch einen Kaffee und den Nestor nochmal schwimmen schicken. Dann geht's auch für uns weiter.

Wir fahren wieder durch endlose Waldgebiete und kommen am Nachmittag schließlich in Töre an, einem Campingplatz der quasi in der Sackgasse liegt. Nur etwas weiter ist eine alte Werft, die als solche ausgedient hat. Lediglich Kleinboote, Fischerboote und Freizeitkapitäne kann man dort noch gelegentlich antreffen. Der Platz selbst ähnelt eher einem Stellplatz, hat eine einfache santitäre Einrichtung und eine gut frequentierte Gastronomie, wo eine resolute Chefin alles regelt und den ganzen Laden zu schmeißen scheint. Jedenfalls sehr nett. Ich hätte dort gerne gegessen, aber ich bin vom Nachmittag so satt, dass ich beim MiniCamper bleibe und nur eine Kleinigkeit zu mir nehme.
Dies ist der letzte Campingplatz in Schweden. Morgen werden wir die finnische Grenze erreichen. Auf Finnland bin ich auch sehr neugierig
27. Juni
Wir erreichen Finland. Und nachfolgend eine Zusammenfassung der letzten acht Tage im Video.
Lücke
Was war seit dem 28. Juni passiert? Wo sind wir abgetaucht? Wo stecken wir jetzt? Was haben wir bisher erlebt? Fragen über Fragen. Fangen wir mal mit heute an. Die zeitliche Lücke wird natürlich auch noch gefüllt werden.
Samstag, 4. Juli
Wir befinden uns auf den Lofoten und sind laut Hinweisschild bereits schon wieder 1082 Km vom Nordkapp entfernt.

Wir haben entgegen der vollblöden Wetter-Äpp blauen und nahezu wolkenfreien Himmel und Sonne satt mit windigen frischen 12°.Angeblich hätte es wieder wolkenverhangen und regnerisch werden sollen. In der Nacht bleibt es sonnig, wenn nicht gerade Bewölkung angesagt ist. Es ist hier immer wieder faszinierend, dass die Sonne 24 Stunden am Tag präsent bleibt und einfach nicht untergeht. Trotzdem finden wir immer einen guten Schlaf. Hätt‘ich nicht gedacht.